Sport- und High-Performance-Reifen, Reifen und Konkurrenz - Testfahrt mit dem Mercedes SLS AMG GT3, Gewinner des 24 Stunden Rennens Nürburgring 2013
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Testfahrt mit dem Mercedes SLS AMG GT3, Gewinner des 24 Stunden Rennens Nürburgring 2013

Sport am 28.11.13 von Thomas Müller

Wir hatten das Privileg, den Mercedes SLS AMG GT3, Sieger eines der schwierigsten Rennen weltweit, testen zu dürfen. Ein Sieg, bei dem die Effizienz seiner aufgezogenen Reifen von Dunlop stark ausschlaggebend war.

Mercedes SLS AMG GT3 auf der Rennstrecke Dunlop stattete den Mercedes SLS AMG GT3 beim siegreichen 24 Stunden Rennen auf dem Nürburgring aus. - Bild-Credit © : rezulteo

600 PS und Möwenflügel

Der SLS AMG GT3 wurde von Mercedes entwickelt, um den Reglements bei GT3-Rennen, bei denen sich quasi alle Hersteller von Sportwagen heroische Kämpfe auf allen Rennstrecken weltweit liefern, gerecht zu werden. Das Ziel ist ganz einfach: Man nimmt einen Sportwagen von der Stange des jeweiligen Herstellers und verwandelt ihn in einen richtigen Rennwagen und zwar unter Einhaltung eines Reglements, das bestimmte Veränderungen am Fahrzeug erlaubt.

Bei Mercedes wählte man so den SLS AMG als Basisauto. Ein Sportwagen mit langer Haube und Möwenflügeln, mit V8-Motor und 571 PS. Nach seiner Umwandlung zum GT3-Rennwagen ist er deutlicher leichter (weniger als 1350 Kilo anstelle von 1600 Kilo)und mit mehr Power: Mercedes spricht von 550 bis 600 PS, aber ohne die behindernden Reglementierungen wären es bedeutend mehr. Eines ist jedenfalls sicher: Mit seinem weltweit einzigartigen Aussehen und seinen Flügeltüren, die sich himmelwärts öffnen, kommt er beim Publikum auf den Rennstrecken großartig an.

Mercedes SLS AMG GT3 rotBild-Credit © : rezulteo

Das neue zu schlagende Fahrzeug?

Im Moment läuft es jedenfalls ziemlich gut für den SLS AMG GT3. 2011 wurde er zum ersten Mal vorgestellt und seine Leistungen werden immer noch besser. 2013 scheint er alle ganz großen GT3-Rennen weltweit zu dominieren. Zu Beginn des Jahres gewann er die 24 Stunden von Dubai, dann die 24 Stunden von Barcelona und dann noch die sagenumwobenen 24 Stunden von Spa Francorchamps… bei all diesen Rennen konnte Mercedes die Siegerprämie einstreichen. Der größte Stolz für den Automobilhersteller mit dem Stern und seinen Partner Dunlop ist jedoch der Sieg beim 24 Stunden Rennen Nürburgring 2013.  Für Mercedes ist es eine großartige Premiere, siegte man doch vor Audi, Porsche und den anderen Favoriten dieser Strecke in einem absolut aufregenden Rennen bei fürchterlichem Wetter.

 

Die grüne Hölle

Fragen Sie einen Rennfahrer nach seinem Lieblingsrennen, so stehen die Chancen gut, dass es das 24 Stunden Rennen Nürburgring ist. Es ist aktuell sicherlich die weltweit größte Herausforderung unter den Motorsportrennen. 24 Stunden auf einer extrem schwierigen Rennstrecke mit annähernd 100 Kurven (und davon sind die meisten Blindkurven) Absperrungen, die sich extrem nahe am Asphalt befinden. 24 Stunden, die oft bei Regen gefahren werden müssen, inmitten von  Hunderten von Fahrzeugen, vom Ultra-Performance- GT3-Rennwagen bis hin zum Amateur-Stadtauto ist hier alles vertreten. Alle tummeln sie sich auf dieser Piste und versuchen so gut wie möglich Unfälle zu vermeiden und nicht von der Strecke abzukommen, was im Verlauf des Rennens aber sehr oft vorkommt. Egal ob AudiBMW, PorscheAston Martin oder McLaren, alle investieren sie eine Menge Geld, um bei diesem einzigartigen Rennen zu gewinnen.

2013 war alles noch schwieriger: Es regnete derart sintflutartig, dass das Rennen für mehrere Stunden unterbrochen werden musste, weil die Bedingungen extrem gefährlich wurden. Aber nach 24 Stunden war es dann der SLS AMG GT3, der als erster über die Ziellinie fuhr. Ein Top-Team, Top-Reifen und ein feinfühliges Rennmanagement: So konnte Mercedes Porsche und BMW den Rang ablaufen.

Mercedes SLS AMG GT3 auf der Rennstrecke 2Bild-Credit © : rezulteo

Am Steuer der Bestie

Mercedes SLS AMG GT3 WerkstattBild-Credit © : rezulteo
8 Pistenrunden lang konnten wir auf der Rennstrecke vom Lausitzring die außergewöhnliche Leistungsfähigkeit dieses Rennwagentyps testen. Neu ist, dass er inzwischen so konzipiert ist, dass auch weniger talentierte Fahrer mit ihm zurechtkommen: Es kommt immer öfter vor, dass reiche Amateurfahrer (mit Kenntnissen) mit solchen Fahrzeugen ins Rennen gehen. Die GT3-Rennen sind übrigens ein Mix aus Profi- und Amateurfahrern.

Sich hinter das Steuer eines SLS GT3 zu setzen ist sicher eine beeindruckende Sache, wenn man es nicht gewohnt ist, mit einem Rennwagen zu fahren. Zuerst muss man einen feuersicheren Anzug anziehen (inklusive Unterwäsche und Socken), dann das HANS-System am Helm fixieren und sich im Sitz festschnallen. So können die Augen gerade noch über das Armaturenbrett hinaus schauen und dann wird das Fahrzeug per Knopfdruck gezündet.

Nun wird die Kupplung getreten, um den 1. Gang einzulegen. Dann wird nach ein paar heftigen Prellschlägen, während denen man versucht, nicht abzuwürgen, der zweite Gang eingelegt. Beim Verlassen der Boxengasse wird dann das Schaltgetriebe durch Schaltwippen am Lenkrad betätigt.

Rennwagen - eine Parallelwelt

Mercedes SLS AMG GT3 auf der RennstreckeBild-Credit © : rezulteo
Überflüssig zu erwähnen, dass für einen Amateur ohne Erfahrung mit solchen Rennwagen, das Fahrgefühl absolut phänomenal ist. Die Beschleunigung ist noch extremer als bei leistungsstarken Sportwagen. Die Gangschaltung ist bemerkenswert schnell und bleibt beim Wechseln der Gänge ziemlich zahm. Am beeindruckendsten sind jedoch das Bremsvermögen und die Kurvenhaftung: Man befindet sich hier in einer völlig anderen Welt, als der Straßen-Sportwagen-Welt. Hier spielen jetzt die Reifen sicher eine sehr wichtige Rolle: Die Spezial-Gummimischungen der Slick-Reifen erreichen eine reine Performance, die für einen Straßenreifen nicht vorstellbar ist. Ihre Effizienz ist verblüffend und ihre Straßenlage ist es noch mehr. Dabei fuhren wir bei unserem Test nur mit Intermediates, für den Fall, dass es regnen sollte (was letztlich nicht der Fall war, trotz der dicken Wolken). Mit Slicks für die trockene Piste wäre der Unterschied, selbst zu ultra-sportiven Straßenreifen, noch extremer gewesen.

 

Verbindung zwischen zwei Welten

Dunlop Reifen auf der Rennstrecke Bild-Credit © : rezulteo
Zwischen einem Rennwagen und einem Straßenwagen liegen Welten. Aber die Reifenhersteller versuchen dennoch, so viel wie möglich vom Know-How aus dem Motorsport in die neuen Technologien für Straßenreifen mit einzubringen. Bei Dunlop zitiert man daher ohne Zögern zahlreiche Komponenten, die bei Motorsport-Reifen verwendet werden und die dann bei High-Performance-Straßenreifen auch zum Einsatz kommen, z.B. beim SP Sport Maxx GT und dem Sport Maxx Race, der als extremer Reifen gilt. Es wird niemals möglich sein, bei einem Straßenreifen die Effizienz eines Slicks zu erreichen, aber Spezialisten, wie die von Dunlop, arbeiten unaufhörlich an der Weiterentwicklung von High-Performance-Reifen, die so immer besser werden. Der Motorsport hilft ihnen dabei, denn Rennen wie das 24 Stunden Rennen Nürburgring oder Le Mans machen es möglich, die Grenzen der Leistungsfähigkeit der Reifen immer weiter auszudehnen, sowohl was deren Ausdauer als auch deren reine Effizienz betrifft. Bei Regen werden die Zeiten selbst bei schlechten Pistenverhältnissen immer schneller. Der Motorsport ist ein großes Laboratorium, in dem die physischen Grenzen der Reifen ausgetestet werden und so profitieren die Straßenreifen immer von den bei den Rennen gewonnenen Erkenntnissen. Dies gilt auch für weniger radikale Reifen, für die bestimmte Gummimischungen durchaus geeignet sein können.