Reifen und Fahrsicherheit - EU-Reifenlabel : Haben Winterreifen eine schlechte Nasshaftung?
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EU-Reifenlabel : Haben Winterreifen eine schlechte Nasshaftung?

Sicherheit am 14.01.13 von Tobias T.

Dies mag der Eindruck sein, den man aufgrund der im Internet teilweise kursierenden Aussagen oder nach eiligem Überfliegen der Labelbewertungen gewinnen könnte. Sicher ist, dass die Bewertungen der Nasshaftung bei Sommerreifen besser sind, als bei Winterreifen. Aber die Testvorgaben für Nasshaftung, die die europäische Verordnung vorgibt, gehen zu Lasten der Winterreifen. Bevor Sie möglicherweise also allzu hastig irgendwelche Rückschlüsse über die Leistungsfähigkeit von Winterreifen ziehen, schlagen wir Ihnen vor, sich unseren Ergebnisbericht einer Untersuchung anzuschauen, die wir zu diesem Thema an über 15000 gelabelten Reifen durchgeführt haben.

Nasshaftung der Winterreifen Bild-Credit © : All Rights Reserved

Seit mehreren Monaten untersucht Rezulteo systematisch die im Internet von Reifenherstellern und Reifenhändlern veröffentlichten Reifenlabel. Diese Aufstellung ermöglicht es, festzustellen, welches Labelkriterium bei den 15000 verschiedenen Reifen bis dato am häufigsten beachtet wurde.

 

Nasshaftung: Sommerreifen erhalten bessere Noten als die Winterreifen

Verteilung der Klassen des Reifenlabels bei Sommer-und Winterreifen

Aus den unsortierten Ergebnissen über die Verteilung der Klassen, erstellten wir eine kumulierte Zusammenfassung, damit der Unterschied zwischen Winter- und Sommerreifen besser dargestellt werden kann. (Quelle : Rezulteo).

Die Achsen der Grafik zeigen die verschiedenen Klassen-Kombinationen für die folgenden zwei Kriterien : Nasshaftung (erster Buchstabe) und Energieeffizienz (zweiter Buchstabe)  

Verteilung der Reifenlabel Klassen nach Winter- und SommerreifenBild-Credit © : All Rights Reserved

Ergebnis : Die Verteilung der Bewertungen hinsichtlich der Hauptkritierien des Labels, der Nasshaftung und Energieeffizienz, zeigt bei den Sommerreifen eindeutig bessere Benotungen als bei den Winterreifen.


Verteilung der Reifen bei der Nasshaftung

Nasshaftung*

A

A-B

A-B-C

A-B-C-E

Sommerreifen

10,3%

43,9%

89,5%

99,9%

Winterreifen

5,8%

11,3%

66,1%

97,3%

* Prozentsatz der Reifen, mit den Klassen…

Betrachtet man die Nasshaftung, so erhalten die Sommerreifen grundsätzlich die besseren Noten. Fast 44% der Sommerreifen erhalten die Noten A oder B, bei den Winterreifen sind dies nur etwas mehr als 11%. Fast 90% der Sommerreifen erhalten die Noten A,B oder C, wohingegen es bei den Winterreifen nur etwas mehr als 66% sind.


Ist es also tatsächlich so, dass die Winterreifen eine schlechte Nasshaftung aufweisen?

Sicher nicht. Der Unterschied in der Leistungsfähigkeit der Reifen erklärt sich hauptsächlich durch die Testbedingungen.

Es ist nun mal so, dass Winterreifen für winterliche Bedingungen ausgelegt sind. Die Gummimischung und das Laufflächenprofil (zahlreiche Lamellen, tiefes Profil…) sollen maximalen Grip auf kalten und glatten Böden und die Beweglichkeit auf Schnee und Eis sicherstellen.

Aber das von der EU vorgegebene Testprotokoll für das Reifenlabel legt fest, dass die Tests an den Winterreifen bei Temperaturen zwischen 2°C und 20°C durchzuführen sind. Wenn man nun aber weiss, dass ein Winterreifen seine optimale Leistungsfähigkeit bei Temperaturen unter 7°C aufweist, sieht man, dass die Testbedingungen für Winterreifen eher ungünstig sind.

Das gilt noch mehr für die nordischen Reifen, die für sehr tiefe Temperaturen, Schnee und Glatteis konzipiert sind. Für diesen Reifentypus ist das Kriterium der Nasshaftung sicher nicht das ausschlaggebende. Darauf machten nun auch Marken wie Nokian, die auf solche Reifen spezialisiert sind, aufmerksam. 

Und Spikereifen werden beim EU-Reifenlabel überhaupt gar nicht erst berücksichtigt. 

 

Wie also wählt man seine Winterreifen am besten aus?

Unser Bericht soll die Wichtigkeit der Nasshaftung beim Kauf der Winterreifen relativieren. Schlussendlich muss man sich je nach den Bedingungen der Region, in der man wohnt und der dortigen Winterverhältnisse dafür entscheiden, ob es wichtiger ist, einen etwas kürzeren Bremsweg auf nasser Fahrbahn bei Temperaturen über 7°C zu erhalten, oder ob es wichtiger ist, auf Schnee und Eis eine Verkürzung des Bremsweges in zweistelliger Höhe zu sicherzustellen.


Verteilung der Klassen des Labels nach Marken

Kumulierte Zusammenfassung der Ergebnisse. Diese Grafik unterscheidet die Verteilung der Reifenlabelklassen nach den drei großen Markengruppen

  • Führende oder Premium Marken
  • Mittelklassemarken
  • Günstige Marken

Verteilung der Reifenlabel Klassen nach MarkenBild-Credit © : All Rights Reserved

Schaut man sich also die Verteilung der Klassen bei den Winterreifen bezüglich ihrer Markenzugehörigkeit an, so erhalten die Reifen der führenden Reifenmarken bei der Nasshaftung bessere Noten als die Mittelklassemarken oder die günstigen Marken. Was wiederum nicht verwundert, da die großen Marken große Anstrengungen darin unternehmen, bei ihren Reifen ein ausgeglichenes Leistungsniveau zu erreichen…