Von Reifenhersteller organisierte Veranstaltungen - Der Motorsport, Versuchslabor für die Entwicklung von Straßenreifen
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Der Motorsport, Versuchslabor für die Entwicklung von Straßenreifen

Hersteller am 10.04.14 von Thomas Müller

Für einen Reifenhersteller ist der Motorsport ein außergewöhnliches Kommunikationsmittel. Hier können Erfahrungen gemacht und viele Technologien entwickelt werden, die dann später ihren Niederschlag in der Massenproduktion von Reifen finden.

Porsche auf der Rennstrecke Der Motorsport, Versuchslabor beim Wettstreit um den besten Reifen - Bild-Credit © : Michelin

Gut fürs Image…

Wenn man als Reifenhersteller Wert auf die Erhaltung seines guten Images in der Öffentlichkeit und bei seinen Käufern legt, so ist das Engagement im Motorsport die Marketingstrategie schlechthin. Ein ernsthaftes Engagement und gute Ergebnisse bei den Rennen sind dann pures Gold wert, wenn für die Effizienz und die Leistungen einer Reifenmarke geworben wird. Dies gilt sowohl für sportliche High-Performance-Reifen, als auch für den klassischen Pkw-Reifen, der ebenfalls von diesem guten Image profitiert. Wenn man Millionen von Reifen in alle Welt verkauft, so ist es natürlich von Vorteil, wenn man sich als Reifenspezialist mit Erfahrungen aus dem Motorsport profilieren kann. MichelinPirelli, DunlopGoodyearContinental oder auch Bridgestone…fast alle großen, auf dem Markt vertretenen Reifenhersteller engagieren sich im Motorsport in den unterschiedlichsten Kategorien. Die Sprecher der Reifenmarken verweisen so auch jedesmal gerne auf die enge Verbindung zwischen Wettkampfreifen und Straßenreifen, um damit die hohe Qualität ihrer Straßenreifen gegenüber dem normalen Verbraucher zu argumentieren, damit er dann beim Kauf neuer Reifen die Leistungen aus dem Motorsport mit dem Reifen, den er kaufen möchte, direkt in Verbindung bringt.

Michelin ReifenstandBild-Credit © : rezulteo

…aber nicht nur dafür

Aber abgesehen von den zahlreichen schönen Reden vieler Reifenhersteller bezüglich ihres Engagements beim Motorsport, spielt dieser tatsächlich eine bedeutende Rolle als Versuchsterrain bei der Entwicklung von Pkw-Reifen und dies in vielerlei Hinsicht. Nun ist freilich ein Reifen, der von einem Prototypen während der 24 Stunden von Le Mans oder der Formel 1, einem Rallye-Wagen oder einem GT-Wagen bei einem Sprint gefahren wird, hinsichtlich seines Preises und Leistung mit einem Pkw-Reifen nicht vergleichbar, muss letzterer doch Tausende von Kilometern fahren, auf trockener wie nasser Straße und auf jeder (oder fast jeder) Art von Straßenbelag. Und dann soll er auch noch, selbst als Reifen für sehr leistungsstarke Sportwagen, bezahlbar bleiben. Aber die Rennstrecke ist und bleibt ein extrem interessantes Terrain, um zahlreiche Leistungs-Parameter eines Reifens zu testen, bevor man ihn für die Massenproduktion freigibt.


Direkter Technologietransfer

Bei jedem Autorennen testet der Reifenhersteller neue Materialien, Produktionsverfahren und Technologien, um so auf der Rennstrecke die bestmöglichste Leistung und Effizienz seines Reifens präsentieren zu können. So bestätigen die Motorsportspezialisten von Reifenherstellern wie Michelin und Pirelli, dass es einen direkten Technologietransfer vom Rennreifen zum Straßenreifen gibt. Der Straßenreifen profitiert vom Motorsport in drei wichtigen Bereichen: Reifenaufbau, Materialauswahl und Reifenprofil … auch wenn letzteres bei den sogenannten "Slicks", die auf trockener Piste von vielen Rennwagen (Formel 1 , GT, Prototypen der 24 Stunden von le Mans, Einsitzer etc…) gefahren werden, nicht zum Tragen kommt. Die Bemühungen der Reifenhersteller, ihre Ergebnisse bei den Motorsportrennen zu verbessern, haben also einen direkten Einfluss auf den Pkw-Reifen, der im Handel verkauft wird. Dies gilt speziell für sportliche High-Performance-Reifen. Selbst wenn Rennreifen und Straßenreifen sich in zwei völlig verschiedenen Leistungs-Welten bewegen.


Jede Motorsportdisziplin leistet ihren eigenen Beitrag

Reifen für RennwagenBild-Credit © : Michelin
Nicht jede Motorsport-Disziplin wirkt sich gleichermaßen auf die Entwicklung von Pkw-Reifen aus, aber sie ergänzen sich untereinander. Bei den 24 Stunden von Le Mans kann die Laufleistung und die Leistungskonstanz eines Reifens getestet werden, bei einer Rallye steht die Robustheit des Reifens unter schwierigen Bedingungen im Fokus der Entwicklungsbemühungen. Die Rallye ist eine der wenigen Disziplinen, die auf offener Straße und nicht auf der Rennstrecke stattfindet und die es ermöglicht, den Reifen realen Straßenbelägen auszusetzen und nicht einem Rennstreckenasphalt, dem man im täglichen Leben so überhaupt nicht begegnet. Dadurch können hier auf den zuweilen sehr schwierigen Straßenverhältnissen auch Verbesserungen für Geländereifen erarbeitet werden. Bestimmte neue Disziplinen, bei denen Fahrzeuge mit Elektromotoren eingesetzt werden, können dabei helfen, den Rollwiderstand und die Energieeffizienz der Reifen zu optimieren.
Manche Rennen, wie z.B. die Formel E, erfordern auf trockener Fahrbahn übrigens Reifen mit Rillen und nicht die üblichen Slicks und so kann man hier an Reifenprofilen arbeiten, die denen eines Serienreifens sehr viel näher kommen. Bei den Disziplinen des sogenannten "Kundensports" kann die Lenkbarkeit eines Reifengummis getestet werden. Die hier eingesetzten Reifen unterscheiden sich von einem Formel 1-Reifen oder einem Werksprototypen für die 24 Stunden von Le Mans. Aber auch bei der Formel 1, wo Reifen völlig anderen Ansprüchen gerecht werden müssen, als dies bei Pkw-Reifen der Fall ist, kann die Entwicklungsarbeit an diesen Reifen mit ihren extremen Leistungsansprüchen dazu beitragen, dass neue Entwicklungsachsen entdeckt werden.


Selbst Öko-Reifen profitieren

Dass es vor allem die Sportreifen sind, die von den Entwicklungen aus dem Motorsport profitieren, ist für jeden leicht nachvollziehbar, sind doch hier die Ansprüche an die Leistungsfähigkeit der Reifen am größten. Aber es ist ebenfalls richtig, dass selbst die wirtschaftlichsten Reifen von bestimmten Segmenten aus dem Motorsport profitieren. Vor allem beim Rollwiderstand und bei bestimmten Gummimischungen ist dies der Fall. Die Dosierung des Silica-Anteils im Gummi, der Reifenaufbau oder auch die Konzeption der Gürtellagen werden von bestimmten Entwicklungsergebnissen aus dem Motorsport beeinflusst.

Kurz gesagt: Der Motorsport ist gut für Ihre Straßenreifen!