EU-Reifenlabel - Nur 8% der Autofahrer kennen alle 3 Leistungskriterien des EU-Reifenlabels
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Nur 8% der Autofahrer kennen alle 3 Leistungskriterien des EU-Reifenlabels

Reifenlabel am 25.11.13 von Thomas Müller

Das EU-Reifenlabel ist in Europa inzwischen Pflicht. Bindet der Verbraucher nun diese Neuerung wirklich in sein Kaufverhalten mit ein? Eine neue Untersuchung von Rezulteo in Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsinstitut IPSOS stellt fest, dass das EU-Label zwar besser bekannt ist als noch vor einem Jahr, es aber noch kein entscheidendes Kaufkriterium für den Verbraucher darstellt, für den vor allem der Preis und die Empfehlungen durch den Verkäufer kaufentscheidend sind.

Umfrage Label 2013 Das EU-Reifenlabel: Nach wie vor kein entscheidendes Kaufkriterium! - Bild-Credit © : rezulteo

Vor einem Jahr wurde das EU-Reifenlabel für alle im Handel befindlichen Reifen in den EU-Ländern Pflicht.  Ein Monat vor Inkrafttreten dieser Labelpflicht, hatte Rezulteo ebenfalls eine Befragung durchgeführt. Es wurde analysiert, inwieweit die europäischen Verbraucher von dieser Maßnahme Kenntnis hatten.

Damals hatten 80% der Befragten noch nichts von diesem Label gehört, aber 80% davon fanden es gut.

Wie steht es nun heute damit, ein Jahr nach der Einführung des EU-Labels? Rezulteo führte also erneut eine Befragung durch, um Kenntnisstand und Kaufverhalten der europäischen Verbraucher in Sachen EU-Label und Reifenkauf zu analysieren. Vor einigen Wochen wurden dazu Autofahrer aus Italien, Frankreich, Deutschland, Spanien und England, die sich alle selbst um die Wartung ihrer Fahrzeuge kümmern, befragt.

Diese Untersuchung brachte ein widersprüchliches Ergebnis: Die Zahl der Verbraucher, die das EU-Reifenlabel kennen, ist zwar auf der einen Seite sehr viel höher, andererseits nutzen es aber immer noch sehr wenige für ihren Reifenkauf. Dies gilt vor allem für die Deutschen und Engländer. Die Mehrzahl der Verbraucher schaut nach dem Preis und vertraut den Empfehlungen des Reifenverkäufers. Das Label als Hilfe zur Kaufentscheidung ist für den Verbraucher deutlich unwichtiger.

Zwölf Monate nach der flächendeckenden Einführung des Labels in Europa, scheint der Verbraucher immer noch unzureichend informiert. Es bleibt ein gutes Stück Arbeit, ihn für diese offensichtlich wichtigen Kriterien zu sensibilisieren, sei es nun bezüglich des Umweltschutzes (Kraftstoffverbrauch) oder auch der Sicherheit. Vor allem vor dem Hintergrund, dass das Angebot der Reifenhersteller so umfangreich ist, wie noch nie.

 

Die 8 Kennzahlen der Studie


> Kenntnis und Wahrnehmung des EU-Reifenlabels

1. Immer mehr Verbraucher in Europa kennen das Label…

36 % der Befragten hat schon von dieser verbindlichen Norm gehört, 2012 waren es nur 22%. In England ist die Unkenntnis am größten, dies kommt sicher daher, dass man hier der Fahrzeugpflege besonders wenig Wichtigkeit beimisst. Logischerweise kennen diejenigen, die erst kürzlich  Reifen gekauft haben, das Label am besten (46%), von diesen haben 52% das Label aber erst beim Reifenkauf entdeckt.

2. … verstehen seinen Sinn und Zweck…

72%  der Befragten befürwortet das EU-Reifenlabel. Jedoch ist dies von Land zu Land unterschiedlich: Bis zu 87% Befürworter in Italien und 83% in Spanien. Die Deutschen und Briten sind dafür weniger empfänglich (56%), bei den Franzosen sind es noch weniger.

3. … kennen es aber nicht im Detail

8%  der Befragten kennt alle drei Leistungskriterien des Reifenlabels. Zwei dieser Kriterien fallen ihnen spontan ein. Beim dritten Kriterium, den externen Abrollgeräuschen, wird die Sache schon komplizierter. Zitiert werden eher das Bremsvermögen auf trockener Straße, das Nasshaftvermögen oder die Laufleistung des Reifens. Mit 21% richtiger Antworten für die dritte Leistung jedoch ein insgesamt besseres Ergebnis als 2012, wo es nur 13% waren. Die Deutschen kennen das Label am besten.

4. Das Bremsvermögen auf nasser Fahrbahn ist am wichtigsten

85%  der Befragten befinden das Nassbremsvermögen als wichtigste Angabe auf dem Reifenlabel. Danach kommt der Rollwiderstand (13%) und erst dann die externen Abrollgeräusche (3%). Gäbe es ein viertes Kriterium, welches auf dem Label verpflichtend ausgewiesen seien müsste, so plädieren 67% für die Laufleistung des Reifens.

 

> Auswirkungen auf das Kaufverhalten

5. Neukäufer beginnen sich dafür zu interessieren…

38% der Verbraucher, die erst kürzlich Reifen gekauft haben, interessiert sich für das Label. Für 11% unter ihnen war das Label während des Kaufs ein wichtiger Parameter (für die anderen 27% weniger wichtig). Diese Zahlen unterscheiden sich jedoch von Land zu Land ziemlich stark. Die Spanier interessieren sich am meisten für das Label (50%), vor den Italienern (48%), den Franzosen (33%), den Deutschen (32%) und den Briten (26%).

6. … und finden das Label klar und verständlich

73%  dieser Neukäufer (87% in Frankreich mit der höchsten Anzahl) brauchen keinen Fachmann, um diese drei Kriterien richtig zu interpretieren. Sie befinden das Label als ausreichend klar, um es selbst deuten zu können.

7. … aber der Preis bleibt wichtigstes Kriterium

56% der Verbraucher, die kürzlich das Reifenlabel genauer angeschaut haben, zog es vor, den Kaufpreis im Vorfeld ungefähr festzulegen. Das Reifenlabel wurde erst nach dem Preis zur Entscheidungsfindung herangezogen. Dieses Verhalten ist widersprüchlich, denn obwohl die Sicherheit als erstes Kaufkriterium (51%) vor dem Preis (23%) angegeben wird, so fällt letztlich die Entscheidung zugunsten des Preis-Leistungs-Verhältnisses. Die Mehrheit dieser Verbraucher ist also nicht bereit, den höheren Preis für die bestmöglichste Sicherheit zu bezahlen.

8. … und sie hören auf die Empfehlung des Verkäufers

80% der kürzlichen Käufer, die vor dem Kauf noch keine Kaufentscheidung getroffen hatten, ließ sich vom Verkäufer beraten. Und davon folgten 97% dessen Empfehlung. Der Verkäufer bleibt also für den europäischen Reifenkäufer der einflussreichste Parameter. Dies gilt vor allem für die Spanier, von denen 87% der Käufer sich vom Verkäufer beraten lassen.

 

Studie, durchgeführt vom IPSOS Institut im Zeitraum 23.09.13 bis 8.10.13 bei einem repräsentativen Querschnitt von 3 402 Befragten in Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien. Die Befragten waren über 18 Jahre alt und kümmerten sich um mindestens ein Fahrzeug im Haushalt selbst.

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>> Finden Sie hier die Umfrage-Ergebnisse als Infografik