Leistungsbewertungstests der Reifen - Reifen werden genau unter die Lupe genommen
Center

Reifen werden genau unter die Lupe genommen

Reifentests und Bewertungen Tobias

Vor der endgültigen Produktionsphase werden die Reifen unserer Fahrzeuge zahlreichen Tests unterworfen. Sie werden unter allen Bedingungen untersucht: Auf der Rennstrecke, auf der Straße, und dann mit Hilfe von komplizierten Maschinen genau unter die Lupe genommen. Alle Reifenmerkmale, die Einfluss auf Rollwiderstand, Geräusche, Haftung, Verschleiß, usw. haben können, werden untersucht. Hier eine kurze Zusammenfassung.

Abnutzungsresistenz-Test des Reifens Abnutzungsresistenz-Test des Reifens - Bild-Credit © : Rezulteo

Langlebigkeitsprüfung:

Bei dieser Prüfung wird getestet, wie lange der Reifen Last und Überlast standhalten kann, und dies unabhängig von den jeweiligen Witterungsbedingungen. In diesen Tests werden normale und anormale Fahrsituationen simuliert. Für solche Prüfungen können auch Maschinen eingesetzt werden. Dabei werden die Reifen ganz genau unter die Lupe genommen, um die Schadstelle noch präziser zu untersuchen. Chemieexperten können dann Proben von Reifengummi im Labor analysieren.

 

Rollwiderstandstest

- Kraftstoffverbrauch bei konstanter Geschwindigkeit: 2 identische Fahrzeuge werden mit Reifen ausgestattet, dessen Rollwiderstand unterschiedlich ist, und werden dann mit der gleichen Geschwindigkeit gefahren. Man wird dann feststellen, dass weniger Rollwiderstand zu weniger Kraftstoffverbrauch führt.

- Der Rollwiderstand kann auch auf einer Maschine gemessen werden. Sie simuliert die Einsatzbedingungen eines Reifens und berücksichtigt dabei sowohl Last als auch Reifendruck. Die Maschine treibt den Reifen an und misst dann die notwendige Kraft, um ihn in Bewegung zu halten: Das ist die Rollwiderstandskraft.

 

Verschleißtest:

Bei diesem Test wird geprüft, wie die Reifenlauffläche dem Verschleiß standhalten kann. Damit wird quasi das Laufleistungspotenzial des Reifens gemessen. Die Prüfung erfolgt in einer realen Fahrsituation mit identischen Fahrzeugen, die ständig die ganzen Straßen des Landes befahren. Nach mehreren Tausend Kilometer werden die Prototypen gesammelt und gereinigt. Und die Gummimischungen gemessen und die Ergebnisse gespeichert. Die Leistungen müssen nur noch ermittelt und verglichen werden. Die Freigabe der gewählten technischen Lösungen erfolgt folglich. Aus praktischen und wirtschaftlichen Gründen werden manchmal solche Tests auf Maschinen durchgeführt, die Fahr- und Straßenmerkmale so genau wie möglich simulieren.

 

Geräusch- und Komfortprüfungen:

Sie werden auf der Strecke oder außerhalb davon und auf fast allen Fahrbahnarten durchgeführt. Zuerst auf einem makrorauen Fahrbahnbelag: Damit können Innengeräusche und der Gesamtkomfort von Fahrzeugen getestet werden. Spezialgeräte messen dann die durch das Reifenprofil verursachten Geräusche. Dafür wird auf einem relativ glatten Fahrbahnbelag gefahren, auf dem sie hörbar sind. Es ist auch möglich, die Straße mit Hindernissen in Form von Metallblöcken zu versehen. Damit kann geprüft werden, wie der Reifen Unebenheiten absorbiert. Und schließlich werden Außengeräusche und die für die Anwohner damit verbundene Lärmbelästigung auf Analysestrecken mit Sensoren am Straßenrand gemessen. Bei solchen Leistungen müssen die vorgeschriebenen Grenzwerte eingehalten werden.

 

Bremstest und Haftungstest:

Mit der Längshaftung wird zuerst geprüft, wie das Fahrzeug und die Reifen bei einer Notbremsung auf gerader Strecke eine Verzögerung einleiten können. Ein Fahrzeug fährt auf einer trockenen oder nassen Piste, um dann notzubremsen. Mit dem vom Fahrzeug zurückgelegten Bremsweg wird die Leistung der getesteten Reifen-Fahrzeug-Konfiguration gemessen. Mit der Querhaftung wird dann gemessen, ob das Fahrzeug auf einer nassen Kreisstrecke die Spur halten kann. Das Fahrzeug wird darauf an die Haftungsgrenzen gebracht. Zum Prüfen, ob das Fahrzeug spurtreu bleibt, werden auch Aquaplaning-Situationen (Wasserpfütze von ca. 7 mm) untersucht. Nach diesen Tests können die Hersteller darüber entscheiden, wie die Halbfertigerzeugnisse für das endgültige Produkt zusammengesetzt werden. Die gleichen Tests können auch mit abgefahrenen Reifen durchgeführt werden, um deren Leistungsentwicklung zu verfolgen. 

 

Fahrverhaltenstest:

Dieser Test hat seinen Schwerpunkt im Bereich Sicherheit und Fahrspaß und misst die Fahrzeug- und Reifenreaktion auf Brems-, Beschleunigungs- oder Lenkrad-Impulse. Diese Tests erfolgen auf trockener (unter allen Fahrbedingungen) und nasser Fahrbahn (Berieselung verschiedener Art). Die Fahrerurteile und die durch die On-Board-Messgeräte gewonnenen Daten werden miteinander verglichen und zusammengefügt.  

Die großen Reifenhersteller führen regelmäßig diese Tests durch. Sie sind gesetzlich nicht dazu verpflichtet, solche umfangreichen Prüfungen durchzuführen. Dies wird sich allerdings ab 2012 ändern. Denn das Europäische Parlament hat ein neues Etikettierungssystem verabschiedet, das ab 2012 in Kraft treten soll. Dieses beinhaltet drei Bewertungskriterien: Treibstoffeffizienz, Lärmerzeugung (in Dezibel angegeben) und Haftung bei Nässe.

Nicht alle Reifenhersteller verfügen über anspruchsvolle Technologiezentren wie das Technologiezentrum Ladoux von Michelin oder das Technologiezentrum von Bridgestone, in der Nähe von Rom. Die eher „exotischen“ Reifenhersteller im Markt führen keine Testreihen durch, da sie zu teuer sind und sehr tiefe Produktkenntnisse voraussetzen. Die von ihnen vertriebenen Reifen entsprechen jedoch den vorgeschriebenen Normen. Es ist trotzdem anzumerken, dass sich die Entwicklungsforschungen der sogenannten Premiumhersteller auszahlen. Denn ihre Reifen werden sehr häufig von Verbrauchern oder von unabhängigen Testzentren am besten benotet.

Bei der Markteinführung eines neuen Reifens sind solche Tests nur der sichtbare Teil davon. Ein Reifen besteht aus fast 250 Halbfertigerzeugnissen. Sie werden alle präzisen Analysen unterworfen, nicht nur als Einzelkomponente, sondern auch als Reifenbestandteil.