Winterreifen-Ratgeber - Nordischer Reifen, alpiner Winterreifen, Spikereifen, Ganzjahresreifen: Wählen Sie Ihren Reifen für den Winter
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Nordischer Reifen, alpiner Winterreifen, Spikereifen, Ganzjahresreifen: Wählen Sie Ihren Reifen für den Winter

Ihre Reifen im Winter Thomas Müller

Es gibt verschiedene Arten von Winterreifen. Wir stellen Sie Ihnen vor, damit Sie den Reifen wählen können, der für Ihren Einsatz und ihr Fahrumfeld am besten geeignet ist.

Winterreifen im Schnee Das Fahrumfeld bestimmt die Wahl der geeigneten Winterreifen - Bild-Credit © : iStockphoto.com/rezulteo.com

Die verschiedenen Winterreifenarten

Der allgemein benutze Oberbegriff Winterreifen fasst eine Vielzahl von Reifenarten zusammen.

 

Ganzjahresreifen oder Allwetterreifen

Als Kompromiss zwischen Winter- und Sommerreifen gibt es zuerst einmal den Ganzjahresreifen (oder auch Allwetterreifen). Mit dieser Reifenart möchte man einen Reifen anbieten, der über ein relativ breites Leistungs- und Nutzungsspektrum verfügt. Dieser Kompromiss jedoch hat zur Folge, dass der Reifen weder im Sommer über die Leistungseffizienz eines Sommerreifens bei milden Temperaturen, noch über die eines Winterreifens bei kalten Temperaturen verfügt. "Der Ganzjahresreifen ist ein Reifen, der vor allem in Amerika sehr verbreitet ist, weil hier die Autofahrer in der Regel ein weniger dynamisches Fahrverhalten an den Tag legen, als in Europa ", erläutert  Dominique Aimon Leiter für wissenschaftliche und technische Kommunikation bei Michelin.

Aber er kann einen Winterreifen auf keinen Fall bei starker Kälte oder bei vereisten und verschneiten Straßen ersetzen. Es ist also besser, man fährt bei milden Temperaturen mit Sommerreifen und zieht richtige Winterreifen auf, sobald es kalt wird, denn so sichert man sich jederzeit beste Leistungen in den Kurven, beim Bremsen, beim Verschleiß und Kraftstoffverbrauch. Zudem verbrauchen die Ganzjahresreifen in der Regel mehr Kraftstoff und verfügen in den meisten Situationen auch über ein schlechteres Bremsverhalten. Aber auch bei den "richtigen" Winterreifen gilt es klar zu unterscheiden.

 

Der alpine Winterreifen: M+S-Markierung und das 3PMSF-Logo sind die beste Versicherung bei gemäßigtem Winter

Theoretisch muss auf der Flanke eines Winterreifens der Begriff  M+S” stehen. Aber dies allein genügt nicht, um die Leistungsfähigkeit eines Winterreifens zu garantieren, da es keine Verordnung gibt, die Tests vorschreibt, um eine solche Markierung überhaupt an den Reifen anbringen zu dürfen. So verfügen fast alle Ganzjahresreifen über dieses Zeichen, obwohl sie bei ernsthaft winterlichen Bedingungen gar nicht leistungsfähig sind. Um sicher zu sein, dass ein Winterreifen tatsächlich leistungsfähig ist, muss man darauf achten, dass zudem die Bezeichnung  "3PMSF" auf dem Reifen steht. Hierbei handelt es sich um ein Label, das nur vergeben wird, wenn im Vorfeld strenge Tests am Reifen durchgeführt wurden und somit seine Leistungsfähigkeit auch bei großem Schneeaufkommen garantiert ist. Sehr viele Reifenhersteller bieten diesen Winterreifentyp(M+S, 3PMSF) an. Selbst wenn die verschiedenen Winterreifen in ihren Leistungen leichte Unterschiede aufweisen, so können sie doch alle optimale Leistungen bieten, wenn die Temperaturen unter 7°C fallen. Ihre Gummimischungen unterscheiden sich von denen der Sommerreifen dadurch, dass sie auch bei sehr kalten Temperaturen geschmeidig bleiben, wohingegen die der Sommerreifen bei Kälte hart werden. Auch in der Profilierung unterscheiden sie sich, so kann beim Winterreifen Wasser und Schnee bei Bedarf besser abgeleitet werden. Sein Profil verhilft auch bei schlechten Winterbedingungen zu einem sehr guten Grip. Und glauben Sie ja nicht, dass Winterreifen nur bei Schnee Leistung zeigen: Sobald die Temperatur unter 7°C sinkt, bremsen sie besser und verfügen über eine bessere Straßenlage als Sommerreifen. Selbst auf trockener Fahrbahn und ohne Schnee.

 

Winterreifen, wann?

Auch wenn Sie in Südeuropa leben, so brauchen doch manchmal einen leistungsfähigen Winterreifen: Sie funktionieren auch auf trockenem Asphalt besser, selbst wenn die Temperaturen leicht über dem Gefrierpunkt bleiben. Mit Winterreifen ist das Fahrzeug besser zu kontrollieren, und auch wenn tagsüber die Temperaturen über 10°C steigen, so bleiben sie dennoch leistungsfähig. Sollten Sie sich in kältere Gefilde begeben, um Ski zu fahren oder im Gebirge zu reisen, so sind Winterreifen ein absolutes Muss. Die Gummimischung haftet auf der Straße, sobald die Temperaturen unter Null Grad sinken und das Profil eignet sich sehr gut für Schnee und Eis in nicht zu großen Mengen.

Achtung: Wenn Sie meinen, Sie könnten zum Skifahren die Sommerreifen auf Ihrem Fahrzeug lassen und lediglich Schneeketten aufziehen, sobald die Bedingungen schwieriger werden, vergessen Sie nicht, dass Sie mit Schneeketten nur 50 km/h fahren dürfen. Wenn Sie dann aber die Schneeketten wieder abmachen, werden Sie Ihr Fahrzeug um einiges schlechter unter Kontrolle haben. "Der Bremsweg eines Sommerreifens ist auf kaltem oder feuchten Asphalt ungefähr doppelt so lang wie der eines Winterreifens, manchmal kann er sogar bis zu acht mal länger sein ", erläutert Dominique Aimon.

Zusammenfassend heißt das: Im klassischen westeuropäischen Klima ist es ratsam, mit Sommerreifen zu fahren und sobald die Temperaturen unter 7°C fallen, auf Winterreifen umzusteigen. Dies gilt auch, wenn es in Ihrer Region wenig schneit und Sie nicht vorhaben, in die Berge oder in sehr kalte Regionen zu reisen. Und wenn Sie Winterreifen vom Vorjahr aufziehen, so dürfen Sie auf keinen Fall vergessen, den Reifendruck zu prüfen, der in der Zwischenzeit eventuell gesunken sein könnte. In manchen europäischen Ländern, wie z.B.  in Deutschland, Italien… sind Winterreifen während der kalten Jahreszeit Pflicht. Aber je nachdem wo Sie wohnen, ist es möglich, dass Sie unterschiedliche Winterreifentypen benötigen.

 

Nordische Reifen, für sehr strenge Winterbedingungen

Wenn Sie in einer kalten Region oder im Gebirge wohnen,  oder wenn Sie oft zum Skifahren gehen, so reichen normale Winterreifen (M+S, 3PMSF) vermutlich meistens aus. Was aber macht der Autofahrer, der in sehr viel kälteren Regionen lebt, in denen es beträchtlich mehr schneit und die Bedingungen weitaus schwieriger sind?

Wo Schnee und Eis in sehr großen Mengen vorkommen, muss unbedingt ein anderer  Winterreifentyp genutzt werden. In den nordischen Ländern wird dieser sehr häufig genutzt, er hat jedoch den Nachteil, dass er auf Asphalt sehr viel weniger Fahrkomfort bietet, als ein Sommer-oder Winterreifen.

Der Nordische Reifen unterscheidet sich vom herkömmlichen alpinen Winterreifen. Seine Gummimischung hält extrem kalte Temperaturen aus, sein laufrichtungsgebundenes Profil und seine starke Lamellierung verhelfen ihm zu einer unschlagbaren Straßenlage auf Eis und sehr dicker Schneedecke. Im Unterschied zum Winterreifen fühlt er sich dagegen auf trockenem oder feuchtem Asphalt  nicht so wohl und verbraucht mehr Kraftstoff. Den Nordischen Reifen gibt es auch in der Extrem-Variante mit Profilspikes und bietet so bestmöglichen Grip auf Eis. Das Fahren auf Asphalt wird nun allerdings sehr problematisch, denn der Reifen nutzt sich hier sehr schnell ab, seine Straßenlage ist eingeschränkt, der Kraftstoffverbrauch explodiert und in manchen Ländern ist er außerdem strengsten verboten( oder aber es gibt strenge Vorgaben, zu welchen Zeiten damit gefahren werden darf). Der Nordische Reifen existiert in vielen europäischen Ländern überhaupt nicht und er darf nur benutzt werden, wenn permanent auf Eis oder Schnee gefahren wird. Für Nordische Reifen mit Spikes gilt das erst recht.

 

Passen Sie Ihre Reifen den Klimabedingungen an

Der normale alpine Winterreifen (3PMSF) ist also im Großen und Ganzen am vielseitigsten einsetzbar. Ausnahmen bilden die Regionen und Länder, in denen die Temperaturen ständig über 7°C liegen (Sommerreifen ganzjährig) oder aber in denen die Winter besonders hart und die Straßen mit Schnee und Eis bedeckt sind. Im letzteren Fall benötigen Sie einen Nordischen Reifen, wenn nicht gar einen Nordischen Reifen mit Spikes. Kurz und gut, alles hängt von Ihrer geographischen Lage und den Wegen, die Sie im Winter zu fahren haben, ab.

 

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>> Wenn Sie ganz sicher sein wollen, welchen Winterreifen Sie wählen müssen, so können Sie dies in den jeweiligen Länderverordnungen nachlesen.